„Glück kann mann essen“, davon ist Dr. med. Sandi Krstinic überzeugt. Denn die Ernährung wirkt sich unmittelbar auf die Emotionen aus. So genannte Neurotransmitter spielen dabei eine wichtige Rolle. Sie beeinflussen die Abläufe im Gehirn, der Zentrale für unsere Gefühlswelt. Doch nicht nur die Emotionen steuern, was wir essen, wie viel davon und wann, sondern andererseits hat das Essverhalten Einfluss auf unsere Gefühle.

Wie die Ernährung unser Gefühlsleben beeinflußt.

„Wenn Sie Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, wenn Ihre Stimmung am Boden ist, wenn Sie sich zu erinnern versuchen, ziehen Sie dann in Betracht, dass Sie sich vielleicht falsch ernähren?“, fragt der britische Ernährungswissenschaftler Patrick Holford und spricht damit ein Thema an, das sich erst langsam im kollektiven Bewusstsein manifestiert. Klar, wir wissen natürlich, dass Schokolade glücklich macht und zu viel Fett in der Nahrung nicht nur den Taillenumfang vergrößert, sondern uns auch träge werden lässt. Und wer kennt nicht den Spruch: Sauer macht lustig?

Der Arzt Sandi Kristinic bestätigt das,, was der Volksmund schon lange weiß, und meint dazu, mit primär sauren Lebensmitteln könne man eine der vier Grundemotionen, die Wut (die anderen sind Niedergeschlagenheit, Trauer und Glück), mildern.

Wechselwirkungen.

Die Nahrung beeinflusst also unsere Gefühlswelt, und die Emotionen wiederum haben ihre Wirkung aufs Essverhalten. Emotionen wie Ängste oder Stress können für viele Menschen Auslöser einer veränderten Ernährung sein, indem sie dazu führen, dass mehr oder nur wenig und unregelmäßig gegessen wird. Gestresste Zeitgenossen haben oft nur wenig Zeit für eine geregelte Mahlzeit. Sie lassen schon mal Frühstück oder Mittagessen ganz ausfallen und schlagen dafür beim Abendessen so richtig zu. Sie trinken Unmengen Kaffee im Laufe des Tages und greifen vermehrt zu Snacks uns schnellen Fertiggerichten mit geringem Nährwert. Von Ängsten geplagte Menschen essen hastig oder nur wenig, weil sich Ihre Kehle wie zugeschnürt anfühlt und sie nichts hinunter bekommen. Die Esslust ist vermindert und die Nahrung wird als geschmacklos wahrgenommen.

„Ärger und Auseinandersetzungen führen zu einem erhöhten Konsum von fett- und zuckerreichen Snacks und zu einem verringerten Verzehr von Gemüse uns Hauptmahlzeiten“, bestätigt die österreichische Ernährungswissenschaftlerin Dr. Ingrid Kiefer. Lebensmittel mit hoher Energiedichte (die besonders zuckerhaltig und fettreich sind) könnten andererseits die Stimmung heben und Stress abbauen. Allerdings führt gerade bei Frauen eine energiereiche Ernährung nicht selten „zu negativen emotionalen Reaktionen“, so Dr. Kiefer. Denn Frauen nähmen diese häufig als bedrohlich für ihre körperliche Attraktivität wahr. „Je höher der Energiegehalt der Speisen ist, desto ungesünder und gefährlicher werden sie eingestuft.“ Ungewohnte Gerichte oder kleinere Portionen könnten, meint die Expertin, sich ebenso negativ auf die Gemütsverfassung auswirken.

Auch das Geschlecht spielt bei Ernährungsgewohnheiten in Verbindung mit Emotionen eine Rolle, denn „Frauen und Männer“ reagieren unter Emotionen und Stress oft anders“, so Dr. Kiefer. „Während Frauen häufiger unter Stress hungern, zählen Männer öfters zu den Stressessern.“ Frauen neigen eher zum Frustessen, während die Herren der Schöpfung Essen eher als Belohnung sehen.

Nahrung für die grauen Zellen.

Den Löwenanteil in Sachen Nahrungsaufnahme und Stimmungslage hat das Gehirn. Es bildet die Schaltzentrale unserer Gefühlswelt. Dass sich die Nahrungsaufnahme unmittelbar auf den Gemütszustand auswirken kann, dafür sind sogenannte Neurotransmitter bzw. Hormone zuständig. Sie sind massgeblich an der Verwertung und Umwandlung von Substanzen aus der Natur beteiligt. Die vier bekanntesten Neurotransmitter sind Senatorin, Domamin, Noradrenalin und GABA.

„Lebensmittel werden vorrangig nach ihrer Herkunft eingeteilt“, erklärt Dr. Sani Krstinic, und diese Einteilung erfolgt normalerweise in sieben Gruppen: Fisch, und Fleisch, Getreide und Getreideprodukte, Milch- und Milchprodukte, Obst und Gemüse, Fette, Süßigkeiten und Wasser. „Wenn wir von Neure-Ernährung (gemeint ist die Wirkung von Nahrungsmitteln auf das Gehirn) sprechen, kommt es nicht darauf an, woher ein Lebensmittel stammt, sondern, welchen Einfluss es auf eine bestimmte Emotion hat“, stellt der Spezialist für Biomedizin fest. Den Trend, immer neue Diäten bestehend aus bestimmten Lebensmittelgruppen zu propagieren, sieht Sandi Krstinic kritisch: „Für ein gesundes Wachstum und eine gesunde Entwicklung des Körpers, und damit auch für seine alltägliche Erneuerung und Regeneration, benötigen wie eine abwechslungsreiche Ernährung.“ Seiner Meinung nach gilt als Faustregel: eine ausgewogene Ernährung sollte aus 10% Proteinen, 60% Kohlehydraten und zu 30% aus Fetten bestehen. „Jede Diät, die sich nicht an diese Regel hält, ist schädlich für unsere Gesundheit und kann nicht empfohlen werden, da sie unseren Körper nicht mit den nötigen Nährstoffen versorgt“, stellt der Mediziner klar.

Die Gefühle nähren.

Biologen konnten beobachten, dass Tiere in einem bestimmten Gefühlszustand auf die Suche nach Nahrung gehen, und zwar nach einer ganz bestimmten Sorte, die eben diese spezifische Emotion unterstützt. Daraus kann man Rückschlüsse auf die Gefühlswelt des Menschen ziehen, der ebenfalls seine Gemütszustände durch die Nahrungsaufnahme meist unbewusst steuert. Im Negativen kennt man das bereits erwähnte so genannte Frusteten. Unglückliche oder niedergeschlagene Menschen greifen dafür vermehrt zu Süßigkeiten, um über deren Genuss Glücksmomente zu erleben und Niedergeschlagenheit zu kompensieren. Die dabei entstehenden chemischen Abläufe im Gehirn lassen sich auch positiv nutzen, indem man bestimmte Lebensmittel gezielt zu sich nimmt. „Wut ist eine Emotion, die Schärfe assoziiert“ so  Dr. Krstinic. Wenn nun Schärfe eine höhere Stufe der Säure sei, könne man daraus ableiten, welche Nahrungsmittel in solchen Fällen empfehlenswert seien, um die Emotion Wut zu mildern; nämlich basische Produkte wie Kefir, Jogurt, Käse oder Milch und Milchprodukte. Nebenbei enthalten sie auch noch den beruhigenden Neurotransmitter GABA. Deshalb hilft ein Glas Milch am Abend vor dem Zubettgehen, besser ein- bzw. durchschlafen zu können.  „Eine direkte Auswirkung auf Wut haben andere Lebensmittel mit einem möglichst hohen Proteinanteil, wie Milch oder Rohmilchkäse. Je höher der Anteil an Fett und Kohlehydraten, desto breiter wird das Wirkspektrum“, erklärt Dr. Krstinic. Käseaufstriche oder reife Käsesorten mit einem hohen Fettanteil oder Fruchtjogurts mit einem hohen Kohlehydratanteil regen nicht nur die GABA-Produktion im Gehirn an, sondern auch die des Neurotransmitters Senatorin, das wiederum für eine positive Stimmung sorgt und deshalb nicht ohne Grund auch das Glückshormon genannt wird.

Niedergeschlagenheit und Trauer.

Wut kann schnell in Aggression umschlagen. Der in solchen Fällen im Gehirn im Überfluss vorhandene Neurotransmitter wird durch den Verzehr sehr proteinhaltiger Gerichte noch gesteigert. Ganz anders verhält es sich jedoch bei Menschen, die trauern oder niedergeschlagen sind. Für sie sind Proteine wichtig, denn sie regen den Appetit an. Die Aufnahme dieses Baustoffs sei deshalb so wichtig, meine Dr. Kristinic, weil Niedergeschlagenheit oft mit Appetitlosigkeit einhergehe. „Im Zustand der Antriebslosigkeit sind solche Speisen zu empfehlen, damit im Gehirn die Synthese des Transmitters Noradrenalin angeregt wird“, so der Mediziner weiter. Ähnlich wie bei der Wut, hilft auch bei Niedergeschlagenheit eine Ernährung, die Seratonin im Gehirn anreichert. Dazu gehören Getreide und Getreideprodukte, Fette und Süssigkeiten. Allerdings die beiden letzteren sollte man nur in Maßen geniessen, denn diese Lebensmittel sind in der Regel Kalorienbomben. Aber auch hier weiß der Experte Rat: Sein Vorschlag wäre, die Nahrungsmittel “ wie ein Gewürz zu verwenden. In kleinen Mengen schenken sie dem Leben Glück und dem Essen einen guten Geschmack.“ Dafür dürfe man beim Getreide zulangen, wobei dem Vollkorn der Vorzug gegeben werden sollte. Denn die darin enthaltenen Fasern „bremsen die Resorption im Verdauungstrakt“ und und sorgen so dafür, dass der Verdauungsprozess verlangsamt wird und damit auch „den Zufluss wertvollster Substanzen, die bewirken, dass wir uns gut fühlen. „Vom ausgleichenden, Domamin-produziuerenden Typ sind diejenigen Lebensmitteln, die uns besonders gut schmecken, wenn wir ohnehin gut drauf sind. Dazu gehören Obst und Gemüse. Wer in Balance sein und gleichzeitig noch ein wenig das Glücksgefühl auskosten möchte, dem empfiehlt Dr. Kristinic ein Dessert aus Bananen mit Schokoladensauce oder frische Erdbeeren in Champagner. Oder einen kräftigenden Schluck CHiA BiRDS 😉 Na dann PROST und: GUTEN APPETIT & GUTE LAUNE.

 

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