Einst von den Azteken entdeckt, heute von Hollywood-Schönheiten als Schlankheitsmittel gepriesen. Die Samen der Chia-Pflanze lassen die Hoffnung nach dem natürlichen Wundermittel aufflackern. 

Es könnte doch so einfach sein. Immerhin schicken wir Hunde ins Weltall, klonen Schafe und produzieren Computer, die so klein wie der Fingernagel eines Säuglings sind und das können, wozu es einst Maschinen in der Größe eines Hochhauses gebraucht hat. Aber eines können (oder wollen) wir nicht schaffen: Endlich ein Wundermittel herzustellen, das uns von den zig Diäten und Sportprogrammen befreit und ohne großen Aufwand dabei hilft, zumindest ein paar Kilogramm abzunehmen, nur ein bisschen schlanker zu werden. Und endlich, endlich, wenn auch nicht wie die Menschen aus der Unterwäschenwerbung auszusehen, so doch zumindest wie jene, die für die Versicherung werben. Aber nein, Wunder gibt es – zumindest hier – nicht. Gut so, denn sonst würde wohl eine ganze Industrie – von der Ratgeberautorin über den Ernährungscoach bis zum Light-Produkte-Hersteller – den Bach hinuntergehen.

Wobei hin und wieder, da flackert sie auf, die Hoffnung nach dem neuen gesunden Wundermittel, das – ganz dem Zeitgeist entsprechend – nicht aus dem Labor stammt, sondern ein wiederentdeckter Schatz aus der Natur ist. Wenn das neue Wundermittel dann auch noch mit einer Geschichte verknüpft werden kann, in der sogar Mayas und Azteken vorkommen, die die wertvolle Pflanze wie Gold gehandelt haben, dann kann die Sache doch nicht so schlecht sein. Und wenn doch: Nützt es nichts, schadet es ja auch nicht.

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Chia, die Pflanze der Stars

Das aktuelle Körnchen der Stunde kann sogar mit einem prägnanten und internationalen Namen aufwarten: Chia heißt die Pflanze, deren Samen an Leinsamen erinnern, aber natürlich viel mehr können. In den USA und England wird Chia bereits von Stars wie Gwyneth Paltrow, Orlando Bloom oder seiner Modelfreundin Miranda Kerr als das Geheimnis ihrer schlanken Körper gepriesen. In Deutschland haben sich bereits ein paar Naturläden der Pflanze, die korrekt Salvia hispanica heißt, angenommen. Und hierzulande wird Chia vereinzelt in Reformhäusern, verstärkt aber über Onlineshops von körperbewussten Menschen gekauft. „Österreich ist da ein stark wachsender Markt. Derzeit ist er noch klein, wir liefern wenige Tonnen im Jahr. Aber Chia boomt hier sehr“, sagt Carmen Parrado von der Firma Naturkost Übelhör, die die Chia-Samen seit zehn Jahren unter dem Namen Sachia vertreibt und Anbauprojekte in Südamerika unterstützt.

Chia wurde einst wie Gold gehandelt

Fragt man bei ihr nach, was denn Chia alles kann, muss sie nicht lange nachdenken: „100Gramm Chia enthalten so viel Ballaststoffe wie 400 Gramm Leinsaat, so viel Eisen wie 400 Gramm Spinat, so viel Antioxidantien wie ein Kilogramm Orangen und so viel Omega-3-Fettsäuren wie ein Kilo Lachs, das sind einmal die Facts.“ Außerdem sei Chia ein natürliches Nahrungsergänzungsmittel, fördert die Verdauung, hält lange satt und ist bei Diabetikern und Sportlern beliebt. Man kann die Samen roh zum Müsli, Joghurt, Salaten oder beim Braten verwenden sowie aufgelöst in Wasser als sättigenden und verdauungsfördernden Drink zu sich nehmen. Und – jetzt kommen endlich die Azteken zum Einsatz: „Die Azteken haben das bei ihren Tagesmärschen oft als einziges Nahrungsmittel bei sich gehabt. Die Inhaltsstoffe bieten alles, was der Körper braucht. Chia wurde damals gehandelt wie Gold.“ Im Vergleich dazu ist so ein Päckchen Chia-Samen zu 450Gramm um 13,20 Euro geradezu billig.

Seit 13.Oktober 2009 sind Chia-Samen übrigens in der EU als neuartige Lebensmittelzutat zugelassen. „Demnach dürfen gemahlene Chia-Samen in der Gemeinschaft als neuartige Lebensmittelzutat zur Verwendung in Broterzeugnissen mit einem Höchstgehalt von fünf Prozent Chia-Samen in Verkehr gebracht werden“, erklärt Werner Windhager von der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages). Zuvor wurde Chia allerdings auch in Europa verkauft – als Tierfutter.

Effekt bei Gewichtsabnahme?

Deshalb sind die wissenschaftlichen Studien zur Pflanze rar. Bei einem Rundruf bei den Botanik- oder Lebensmitteltechnologieabteilungen der Boku Wien und der Veterinärmedizinischen Universität Wien lautete die Antwort meist: Das ist kaum untersucht, lediglich zwei Studien tauchen dazu in den Datenbanken auf. Dieter Genser von der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung dazu: „Die Datenlage ist recht dünn. Bei der Gewichtsabnahme lässt sich nicht sagen, dass die Samen einen Effekt haben.“

Verteufeln will er die Pflanze, die zur Familie der Lippenblütengewächse gehört, aber nicht. „Vorteilhaft sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die sonst eher in tierischen Produkten vorkommen.“ Er selbst ist solchen „Wundermitteln“ gegenüber skeptisch, da sie vom eigentlichen Problem jener Menschen, die abnehmen sollten, ablenken. Anstatt sich auf neue oder wiederentdeckte Pflanzen zu stürzen, sollte man eher das tun, was seit Jahren gepredigt wird: weniger und gesünder essen und mehr Bewegung machen.

Zu viel an Omega-3-Fettsäuren. Das macht etwa auch der Ernährungsbericht 2012 des Gesundheitsministeriums, der vor wenigen Tagen präsentiert wurde, deutlich. Demnach ist das Problem der österreichischen Gesellschaft weniger der zu fette, salzige und süße Speiseplan als vielmehr die fehlende Bewegung. Hätte diese nämlich eine ähnlich starke Lobby wie die Omega-3-Fettsäuren oder die Low-Carb-Diät, die auf den Verzicht von Kohlehydraten schwört, dann wären wir wohl alle ein bisschen gesünder und schlanker.

Im aktuellen Ernährungsbericht wurde erstmals der Omega-3-Index der Österreicher gemessen. Ergebnis:

  • Wir sind mit der wertvollen Fettsäure eigentlich gut versorgt.
  • Im Gegensatz zu den Kohlenhydraten, die laut Ernährungspyramide die Hälfte der täglichen Energiezufuhr ausmachen sollten.
  • Diesbezüglich hat die Low-Carb-Bewegung Wirkung gezeigt: Erwachsene und Senioren nehmen zu wenig Kohlenhydrate zu sich.

Bleibt abzuwarten, ob Chia eine ähnliche Wirkung hat. Laut Carmen Parrado, die auch kürzlich ein Chia-Kochbuch herausgegeben hat, wird bereits fleißig daran gearbeitet, Chia bei Backwaren einzusetzen. „Das Brot bleibt dadurch länger frisch, knusprig und saftig. In Dänemark läuft gerade eine Kampagne für eine Brotmischung mit Chia.“ Sie selbst schwört übrigens auf ihren täglichen Chia-Brei zum Frühstück. Vielleicht hilft er ja.

CHIA

Salvia hispanica ist eine einjährige krautige Sommerpflanze aus der Familie der Lippenblütengewächse (Labiatae). Natürlich kommt sie in Mexiko und Guatemala vor, kultiviert wird sie mittlerweile in mehreren Ländern Südamerikas und in Australien. Sie ist verwandt mit dem Salbei (Salvia officinalis). Die Samen haben einen hohen Anteil an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Proteinen, Vitaminen, Antioxidantien und Mineralien.

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